T. F. Torrances Christologie — übersetzt in Konzepte objektorientierter Programmierung. // "The unassumed is the unredeemed"
Thomas F. Torrance greift ein Prinzip von Gregor von Nazianz aus dem 4. Jahrhundert auf und macht es zum Grundaxiom seiner gesamten Christologie: "Was er nicht angenommen hat, hat er nicht geheilt." Was bedeutet das?
Die theologische Versuchung lautet: Jesus hat vielleicht eine bereinigte, neutrale, vorab-gesunde Menschennatur angenommen -- nicht unsere tatsächlich korrumpierte. Das klingt frommer, ist aber tödlich für die Erlösung: Wenn Christus nur eine abstrakte, ideale Menschheit annimmt, bleibt unsere echte, gefallene Menschheit unberührt. Die Heilung passiert dann an etwas, das kein wirklicher Mensch je war.
Torrance insistiert dagegen: Der Logos nimmt unsere tatsächliche Situation an -- die Sterblichkeit, die echte Versuchung (nicht gespielt), das Leid, die Gottesverlassenheit. Die Phrase "gefallene Menschheit" bedeutet dabei nicht, dass Jesus sündigte -- sondern dass er die Neigung zur Sünde (concupiscentia) in sich trug und von innen heraus überwand.
Das ist der Witz der Inkarnation: Gott springt nicht von außen in das Problem hinein -- er nimmt das Problem selbst in sich auf und heilt es von innen. Wie ein Chirurg, der nicht über die Wunde redet, sondern in sie hineingeht.
"If Jesus Christ did not assume our fallen flesh, our fallen humanity, then our fallen humanity is untouched by his work." — T. F. Torrance
Die Inkarnation ist nicht nur der Auftakt zur Erlösung -- sie ist bereits Erlösung. In dem Moment, in dem der ewige Logos wirklich Mensch wird, beginnt die Heilung der menschlichen Natur. Weihnachten ist nicht nur eine süße Geschichte: Es ist der Moment, in dem Gott die Klasse Human von innen betritt, um sie von innen zu reparieren.